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Über Genuss des eigenen Lebens

08.03.2010 - RÜSSELSHEIM

OPEL-FORUM Theatergruppe "Zweiter Akt"
präsentiert "Männerschlussverkauf"

 

(gir). Zwei Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Gisela Mang ist eine empfindsame Träumerin, auf der Suche nach einem lebensbeglückenden Supermann. Frau Möbenbach dagegen die lebensgestählte, strenge Psychologin, die auch in dem Fall ihre ganz spezielle Methode zum Einsatz bringt, um Frauen solche törichten Ziele aus Kopf und Seele zu treiben.

 

Das ist das Setting einer 75 Minuten dauernden, "psychologischen Sitzung" mit ironischen Dialogen und humorvoll inszenierten Abstechern zurück zu dunkelsten Epochen der Jahrtausende währenden Unterdrückung der Frauen durch die Männer, die Johannes Galli in seinem Stück "Männerschlussverkauf" zum in dieser Form ganz leicht verdaulich zum Thema macht.

 

In der Inszenierung der Theatergruppe "Zweiter Akt" aus Riedstadt-Wolfkehlen war das Werk unter Regie von Klaus Müller am Freitagabend im Anschluss an ein Willkommensbüffet nahe aktueller und historischer Modelle der Rüsselsheimer Autobauer im Bühnen- und Konferenzsaal des Opel Forums zu sehen.

Um jene lebensunsichere, verträumte Gisela zu heilen, in deren Rolle Christine Baumert dort glänzte, führte Psychologin Möbenbach, die vor den über 100 Zuschauern im Saal von einer nicht minder professionell auftretenden Doris Müller gespielt wurde, ihre Klientin in jene Zeiten zurück. Etwa in die Epoche der Sklaverei, als Frauen rechtlose Geschöpfe waren und völlig ungestraft missbraucht wurden. Ebenso in die Zeit des Mittelalters, in denen Millionen Frauen ihre Wohllust und ihr Anders-Sein mit dem schrecklich Tod im Feuer bezahlen mussten. Und in die Epoche des Wilden Westens, als Vertreterinnen der besseren Hälfte der Menschheit die Abkehr vom vermeintlichen Mann ihrer Träume gelegentlich mit einer tödlichen Kugel im Rücken vergolten wurde.

Aber selbst Giselas Begegnungen mit der Moderne, in Form eines masochistisch veranlagten, gescheiterten Künstlers, eines Motorradchauvinisten und mit ihrer Psychologin, die sie auch auf den Weg der gleichgeschlechtlichen Liebe hinwies, brachte Gisela nicht wirklich weiter. So dass ganz am Ende in ihr schließlich die Erkenntnis zu reifen begann, dass allein die Entscheidung, sie selbst zu sein, die einzige und beste Chance auf den Genuss des eigenen Lebens wäre.

 

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Artikel Darmstädter Echo
 
21. Dezember 2009  | Von Jennifer Warzecha
 
"Männerschlussverkauf": Mäuschen im Duett

Typenkomödie: Mit Komik und ganz im Trend der Zeit: Das Riedstädter Theater ,,Zweiter Akt" spielt bei Hoffart in Darmstadt

 

DARMSTADT. 
 

Der Mann sieht gut aus, aber er ist nur aus Pappe. Immerhin ist er mit Lichtern attraktiv dekoriert: ,,Männerschlussverkauf" heißt das Stück von Johannes Galli, das unter der Regie von Klaus Müller am Samstag im Darmstädter Hoffart-Theater für Heiterkeit sorgte.

 

,,Bin ich im richtigen Haus? Im richtigen Film?" Gisela Mang (Christine Baumert) schleicht sich mit ängstlichem Blick heran und geht auf Tuchfühlung mit dem Publikum. Im Überangebot an Typen, das der Titel des Stückes ,,Männerschlussverkauf" suggeriert, ist die richtige Wahl schwer. Doch Gisela ist nicht allein. Eine Psychologin steht ihr zur Seite. Doris Müller verkörpert den biederen Typ, dem erotische Gedanken widerstreben.

 

Das Zweipersonenstück ist keine Boulevardkomödie, sondern eher eine witzige Typenstudie. Nicht nur die beiden Frauen schlüpfen während der 75 Minuten in verschiedene Rollen. Sie entwerfen ständig neue Männerbilder und wechseln immer wieder die Kostüme zu den Klängen der Coverband ,,Flying Toreros". Ob Cowboy oder Rocker, verschrobener Künstler oder der Teufel auftreten, erotische Anspielungen und ein bisweilen zotiger Humor durchziehen das Stück. Und als ein reicher Dandy erscheint, enttarnen die Rundungen den vermeintlichen Mann - beide Frauen fallen sich um den Hals und singen gemeinsam das Abschlusslied ,,Du bist auch nur ein Mäuschen".

 

Nicht nur die Damen, auch die Herren fanden Gefallen an dem Abend. Die Figuren erzeugen einige Komik und treffen den Trend der Zeit. Das Patriarchat ist schon lange tot, es lebe die Frau. ,,Die Frau nimmt sich manchmal arg zurück", findet Doris Müller, die zugleich Gründerin des Ensembles ist, nach der Aufführung. Für die Schauspielerinnen gilt das gewiss nicht: Das in Riedstadt gegründete Projekt ,,Zweiter Akt" verbindet Amateurtheater mit professionellem Anspruch.